‚Sexed Flesh, Gendered Tech‘

Publizieren als Commoning Praktik in Mindy Seus Cyberfeminism Index und A Sexual History of the Internet

  • Anneliese Ostertag (Autor/in)

Abstract

Der Aufsatz untersucht die Publikationspraxis der Technologin und Forscherin Mindy Seu anhand ihrer beiden Projekte Cyberfeminism Index (2022) und A Sexual History of the Internet (2025) und ordnet sie in aktuelle Debatten zu Open Access und digitale Commons ein. Ausgehend von André Bretons Behauptung, dass man publiziert, um „Kamerad:innen zu finden“, fasst der Essay das Open Acess-Publizieren als eine beziehungsstiftende und infrastrukturelle Praxis. Ausgangspunkt ist das Problem, dass Open Access-Publikationen häufig von kommerziellen Online-Plattformen abhängig sind, die unbezahlte Arbeit, insbesondere von marginalisierten Gruppen, extrahieren. Open Access-Publizieren erweist sich damit als eine epistemische und infrastrukturelle Praxis, die bestehende Macht- und Ungleichheitsverhältnisse fortschreiben oder transformieren kann. Ein intersektionaler feministischer Publikationsansatz kann sich daher nicht auf bestehende digitale Infrastrukturen verlassen, sondern muss die Bedingungen seiner Produktion, Distribution und Pflege sichtbar machen und restrukturieren. Vor diesem Hintergrund analysiert der Essay exemplarisch Mindy Seus Publikationsprojekte und die von ihr vorgeschlagenen Formen der Vergütung, Zitation, Verwaltung und Sorgearbeit. Während der Cyberfeminismus Index eine modulare und vielstimmige Verschlagwortung nutzt, um cyberfeministische Praktiken der letzten drei Jahrzehnte zusammenzuführen, fokussiert A Sexual History of the Internet auf die Verflechtungen von Technologie, Begehren und Sex. Beide Projekte lassen sich als Interventionen in Publikations- und Open-Access-Logiken lesen, da sie finanzielle Umverteilung, kollektive Autor:innenschaft und infrastrukturelle Abhängigkeiten explizit verhandeln. Der Essay argumentiert, dass sich in der Verbindung beider Projekte ein Verständnis von Open Access-Publizieren als Commoning-Praktik herausbildet: Publizieren erscheint hier als eine feministische, kollektive, relationale und performative Praxis, die epistemische Wissensordnungen ebenso betrifft wie materielle und soziale Infrastrukturen.

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