Von pragmatischen Utopien und durchlässigen Mauern
Die Spezialitätengaststätte (1969) der West-Berliner Planungsgenossenschaft Nr. 1 im Ost-Berliner Kulturpark
Autor/innen
Im Zentrum dieses Beitrags steht ein unerwarteter Auftrag: Eine Gruppe junger West-Berliner Architekten wurde 1969 beauftragt, in nur wenigen Monaten eine Spezialitätengaststätte für den Kulturpark im Ost-Berliner Plänterwald zu realisieren. Dieser einzige Vergnügungspark der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) sollte kurzfristig zum 20. Jubiläum der DDR entstehen. Die zentrale gastronomische Versorgungseinrichtung planten ab Frühjahr 1969 fünf Assistenten, ein Professor und ein Student der Technischen Universität Berlin als Planungsgenossenschaft Nr. 1, wenig später benannten sie sich in Planungskollektiv Nr. 1 (PLK1) um. Im Oktober 1969 übergaben sie die „Leichtbaugastronomie“, deren Gerüst sie mit dem im Westen patentierten Tragfachwerk MERO entworfen hatten und das mithilfe der DDR-Devisenhandelsgesellschaft INTRAC finanziert wurde, „schlüsselfertig“ an ihren Auftraggeber, den VEB Kulturpark. Archivstudien, oral history und bisher unveröffentlichtes Bildmaterial zeigen das Projekt als Ausdruck einer grenzüberschreitenden Praxis, die die Permeabilität der Berliner Mauer jenseits binärer Ost-West-Zuschreibungen und Überbietungsgesten auf professioneller, ökonomischer und kultureller Ebene noch vor dem Viermächte-Abkommen von 1971 offenlegt.
Copyright (c) 2026 Simone Bogner

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International.
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