Formbildungsfragen des alternativen energieeffizienten Bauens
Autor/innen
Vor dem Hintergrund aktueller Forderungen nach der grundlegenden Neuausrichtung des Bauens entlang energieeffizienter, ökologischer oder nachhaltiger Kriterien, wird die Frage gestellt, ob diese nicht auch zu einer ästhetischen Neubewertung bzw. zu anderen Wertege-rüsten führen müssten oder sogar bereits geführt haben. Denn diese Diskussion ist alles andere als neu, sie reicht zurück bis mindestens in den Ökobau-Diskurs der 1970er/1980er Jahre. Die kanonisierende Architekturgeschichtsschreibung widmete sich den unterschiedlichen
Ansätzen einer ‚alternativen‘ Architekturästhetik oft eher als randständigem Phänomen. Mit dem Blick in einige Beiträge dieses Diskurses sowie mit Hilfe von zwei Meta-Studien zu Erscheinungen ökologischer bzw. energieeffizienter Architektur werden verschiedene Aspekte die-
ser Ästhetik-Diskussion beleuchtet und vertieft. In der Rückschau auf solch alternative Architekturwerte trat häufig eine Art heilungsorientiertes Denken hervor, das Architektur und Körper, Natur und Gesellschaft wieder miteinander versöhnen wollte. Eine solche
Ausrichtung findet sich beispielweise in den Publikationen von Medizinern, die insbesondere die Sonnenausrichtung des Hauses oder dessen „Gesundheit“ forderten. In der historisch-kritischen Evaluierung dieser Positionen scheinen jedoch die neuen Werte oft die alten zu bleiben. Die Neuausrichtung des Körper/Leib-Umgebungsverhältnisses sowie die Werte von Teilhabe und Fürsorge erfahren erneut besondere Bedeutung. Diese Erkenntnisse werden im letzten Teil des Beitrags an einem Fallbeispiel, am Werk Tassilo Sittmanns
(1928–2022), überprüft. Der im Großraum Frankfurt am Main tätige gewesene Architekt ist bislang kaum unter einer solchen Perspektive betrachtet worden. Als deutlich jüngerer Büropartner Walter Schwagenscheidts (1886–1968) und damit Mitplaner der legendären Frankfurter Nordweststadt war Sittmann zwar von Anfang an mit einem Naturbezug in der Architektur konfrontiert. Erst sein Spätwerk jedoch hob nachdrücklich auf den Umweltdiskurs ab, seine „Sonnenhäuser“ gewannen formal-ästhetische Eigenständigkeit und zeichneten sich durch
hohe Material- und Farbqualitäten aus. Teilhabende Erfahrung, architektonischer Ausdruck und ökologische Verantwortung fanden darin zusammen.
Copyright (c) 2026 Eva Maria Froschauer

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International.
Copyright (c) 2026 Eva Maria Froschauer

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International.

