Kunst für eine Ökologie des Peripheren – zur Auslotung der Zwischenräume von Kunst und Wissenschaft
Autor/innen
Die aktuellen finnischen Ausstellungen Periferia in Hyytiälä und As Trees Go By im Serlachius-Gut zeigen, wie Kunst und Wissenschaft im Anthropozän gemeinsam neue Wahrnehmungsräume eröffnen. Kuratiert von Ulla Taipale, verbinden sie künstlerische Interventionen mit naturwissenschaftlicher Forschung. Werke wie The Weep of Trees oder Office for Tree Migration übersetzen wissenschaftliche Erkenntnisse in sinnliche, poetische Erfahrungsräume. Agnes Meyer-Brandis macht die chemische Kommunikation der Bäume über Duftstoffe erfahrbar,
während IÄI Besucher dazu einlädt, in der Natur verborgene Wörter zu entdecken. Die Projekte greifen Timothy Mortons Konzept der „weirdness“ auf und lenken den Blick auf Lebensformen und Beziehungen, die sich einer eindeutigen Klassifizierung entziehen. Zugleich erlauben sie eine erkenntnisoffene Perspektive, die Parallelen zu Thomas S. Kuhns Konzept des „extraordinary research“ und Paul Feyerabends „anything goes“ erkennen lässt. In diesem theoretischen Rahmen erscheint Kunst als Medium, das neue Denk- und Wahrnehmungsweisen anstoßen und Paradigmenwechsel begleiten kann. Trotz kritischer Stimmen aus den Naturwissenschaften kommt
der zeitgenössischen Kunst dabei eine wichtige Rolle zu: Sie vermittelt nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern erzeugt Affekte, Identifikation und Handlungsbereitschaft angesichts der Klimakrise. Kunst bewohnt das Periphere – den Raum zwischen den Disziplinen – und eröffnet neue Wege, die Welt zu denken.
Copyright (c) 2026 Inna Skliarska

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International.
Copyright (c) 2026 Inna Skliarska

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International.

