Die Faszination steckt im Detail
Bergung und Dokumentation organischer Materialien aus dem frühmittelalterlichen "Eisprinzengrab" von Mattsies
Identifier (Artikel)
Abstract
Textilien und andere organische Materialien, wie z. B. Leder, Holz oder Fell, bleiben im archäologischen Befund nur selten erhalten. Besonders aus älteren Epochen der Menschheitsgeschichte fehlt diese Fundgruppe zumeist vollständig. Stark veränderte Materialeigenschaften bringen besondere Herausforderungen bei der archäologischen Ausgrabung und den anschließenden Dokumentations- und Konservierungsprozessen mit sich. Den Quellenwert organischer Materialien und auch ihrer stark abgebauten Überreste bei entsprechend sorgfältiger Bergung und anschließender detaillierter Dokumentation zeigt das Beispiel eines frühmittelalterlichen Kindergrabes aus Mattsies (Lkr. Unterallgäu, Bayern). Seit der Beisetzung des etwa eineinhalbjährigen Jungen um 670–680 n. Chr. blieb die Grabkammer aus Tuffsteinplatten ungestört. So hatte sich darin ein Mikroklima gebildet, in dem zusammen mit Grabbeigaben aus Edelmetallen auch zahlreiche Überreste organischer Materialien erhalten geblieben sind. Mit Hilfe einer neu entwickelten Bergungsmethode, nämlich durch die Zugabe von flüssigem Stickstoff und feinem Wassernebel, gelang es, den Grabkammerboden mitsamt den aufliegenden Beigaben aus Metall und der organischen Befunde vor Ort einzufrieren und als Blockbergung zu entnehmen. Dies ermöglichte im Anschluss eine detaillierte Untersuchung in der Restaurierungswerkstatt. Dadurch konnten Bestandteile der Grabbeigaben und Grabkammerausstattung erschlossen werden, die das Bild der Bestattungsinszenierung wesentlich ergänzen und der archäologisch-kulturhistorischen Einordnung eine zusätzliche, andernfalls nicht zugängliche Perspektive verleihen.
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